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Wort zum Reformationstag am 31.10.2012

 




 

Die etwas andere Gruselgeschichte


Natürlich wissen wir längst alles über Halloween. Richtig ausgeschrieben sind es drei Worte. „All Hallows Evening“ zu deutsch „der Abend vor Aller Heiligen“. Das ist schon seit Jahrhunderten der 1. November. Da werden alle Heiligen in besondere Weise geehrt, denn sie allein vermitteln zwischen Gott und uns Menschen das Heil. So glaubt man es bis zum Jahre 1517. Ein Professor der noch jungen Universität zu Wittenberg ärgerte sich darüber, vor allem das für diese Heilsvermittlung die Menschen Geld bezahlen sollen. Er wusste es besser. Er hatte es selbst in der Bibel gelesen. Gott ist den Menschen allein durch den Glauben gnädig. Da sind Betrüger am Werk, denen muss das Handwerk gelegt werden. Mit seinen 95 Thesen wollte Dr. Martin Luther beweisen, dass kein Mensch für die Gnade Gottes etwas bezahlen muss. Das Heil Gottes gibt es allein durch den Glauben. Die meisten Menschen waren begeistert. Doch die wenigen Mächtigen die in der Kirche und im Staat mit der alten Lehre sehr gutes und schnelles Geld verdienten, versuchen mit allen Mitteln Luther wieder zum Schweigen zu bringen.

Doch der wehrte sich mit seinem brillanten theologischem Wissen sagte und schrieb: Allein die Heilige Schrift ist der Maßstab für mich. Denn dort steht es schwarz auf weiß: Allein durch Christus, stehen wir durch unseren Glauben unter Gottes Gnade. Doch, wenn der Papst und der Kaiser fordern widerrufe, dann muss ein einfacher Mensch sich dem unterordnen!
Nie sagte Luther. Allein mein Glaube, allein Christus, allein die Schrift kann ich mit meinem Gewissen anerkennen. Egal welche Macht oder Titel hinter einem Menschen steht, sie zählen nicht. Die einzige Macht die ich anerkenne ist. Allein Christus.

Was an jenem „Abend vor Aller Heiligen“ mit dem Anschlagen der Thesen im halbdunkel der Abenddämmerung begannt, ist heute genau 495 Jahre her. Bald feiern die lutherischen Kirchen den 500. Jahrestag. Luther würde sicher nicht mehr dabei sein, denn mit seiner Forderung: Allein Christus, Allein der Glaube, Allein die Schrift, Allein die Gnade, steht er in der heutigen Kirche wieder im Abseits. Längst sind die Posten, die Strukturen und natürlich das Geld, viel wichtiger geworden. Für seine Forderung nach Erneuerung, lateinisch: reformasti, ist heute kein Platz. Vielleicht wäre Luther mit seiner Lehre immer noch Professor, aber sicher kein wichtiger Mann der Kirche. Denn wo soll das enden wenn wieder einer fordert: Allein der Glaube, Allein die Gnade, Allein die Schrift und Allein Christus. Das damit verbundene Chaos hatten wir doch schon einmal. Heute wollen wir nur noch Ruhe und Frieden. Da passt es gut, dass hierzulande der 31. Oktober kein Feiertag ist.

Pastor Erhard Graf,

Übrigens wurde ich im August 1954 im gleichen Taufbecken in der Wittenberger Stadtkirche getauft wie die Kinder Martin Luthers und die Kinder der anderen Reformatoren.

aus „Stormarner Tageblatt“ vom 31.10.2012