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Zum Ostersonntag: Osternacht

 



 

 

Von Pastor Erhard Graf

 

Mitten in der Nacht aufstehen, um in eine Kirche zu gehen? Bist Du des Wahnsinns! So habe ich viele Jahre über die Osternacht gedacht. Doch man muss es selbst erlebt haben. In der völlig dunklen Kirche wirken die Worte der Auferstehung völlig anders. Dazu ganz leise Flötenmusik und die Stille.

 

Alles wirkt in der Osternacht besonders intensiv. Da ist etwas zu spüren von den Ängsten der Frauen, die mit der aufgehenden Sonne zum Grab gehen und Jesus dort nicht finden können. Die Botschaft "Was sucht ihr den Auferstandenen bei den Toten" können sie nicht verstehen.

 

Zu groß ist ihr Entsetzen. Doch etwas ist geschehen, damals am Ostermorgen in Jerusalem, als die Sonne aufging und klar wurde, es kommt alles ganz anders. Das klingt noch heute wunderbar, nicht jeder kann's verstehen. Doch wenn ganz langsam die aufgehende Sonne mit immer mehr Licht durch das große Fenster der Kirche strahlt, dann der Osterruf erklingt" Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden" ist das Besondere der Osternacht spürbar. Wieder draußen erwacht gerade der Tag. Über der Trave, die neben der Kirche fließt, steigt der Nebel auf.

 

Die aufgehende Sonne spiegelt sich darin. Dieses Mysterium wiederholt sich täglich im Verborgenen. So muss es schon damals gewesen sein. Das Geheimnis von Ostern, erlebt im Wechsel von Dunkelheit und Licht, ein Wahnsinnserlebnis für alle, die mitten in der Nacht aufgestanden sind, um in die Kirche zu kommen. So ist Ostern.

aus: „Lübecker Nachrichten“, Regionalausgabe Stormarn, vom 08.04.2012, Seite 11