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Buchtipp: "Kirchendämmerung"

 


Friedrich Wilhelm Graf

 

 

Wie die Kirchen unser Vertrauen verspielen

 

Beck’sche Reihe; München, 2011

ISBN 978 3 406 61379 1                 10,95 €

 

Der Münchener Theologe Friedrich Wilhelm Graf, bekannt für seine scharfe Zunge, hat ein Buch unter dem Titel „Kirchendämmerung“ herausgegeben. Darin beschreibt er die Fehlentwicklungen in der evangelischen Kirche. Der Evangelische Presse Dienst (epd) meldet zu diesem Buch: „Was schief läuft in den «sichtbaren» Kirchen, fasst der Theologe in sieben Untugenden zusammen:

Sprachlosigkeit,

Bildungsferne,

Moralismus,

Demokratievergessenheit,

Selbstherrlichkeit,

Zukunftsverweigerung

und Sozialpaternalismus.

 

Der liberale Theologe kommt zum Schluss: «Die deutschen Kirchen sind stark vermachtete und verfilzte Organisationen mit viel Pfründenwirtschaft zur Alimentierung von Funktionären, die gern unter sich bleiben und miteinander in einem verquasten Stammesidiom kommunizieren, das für Außenstehende unverständlich bleibt - der ideale Nährboden für Schweigekartelle und Wagenburgmentalität. » Im staatkirchenrechtlich eingehegten «Theotop» habe die akademische Theologie enorm an Deutungskraft eingebüsst, urteilt er über die eigene Zunft. Selbstherrlichkeit in der «Klerikerkaste», Trivialisierung der christlichen Botschaft, autoritären Moralismus, politreligiösen Populismus und pathetische Werterhetorik wirft Graf den Kirchen vor. In der protestantischen «Wellness»-Religion, die um einen «Wohlfühlgott» kreise, werde der Stachel des Negativen der christlichen Botschaft ignoriert. Mülltrennung, Nachhaltigkeit und Schöpfung hätten sperrige Begriffe wie Schuld und Sünde verdrängt. Die Kirche habe ihre religionskulturelle Prägekraft eingebüsst und genüge der Vielfalt protestantischer Frömmigkeitsformen nicht. Dreh- und Angelpunkt für Reformen im kirchlichen Protestantismus ist für den Theologieprofessor der gebildete und theologisch kompetente Gemeindepfarrer.«An ihren Pfarrern und Pfarrerinnen entscheidet sich dieZukunft der evangelischen Kirche», so Graf.“

 

Es bleibt zu hoffen, dass die Einschätzungen von Prof. Friedrich-Wilhelm Graf von all denen gehört und beherzigt werden, die als Kirchenfunktionäre fern ab von der Gemeindewirklichkeit die Zukunft der Kirche gestalten wollen, damit die Kirche auch für uns eine Zukunft hat.

Erhard Graf